Informationen für Unternehmen

Welche Vorteile hat das Unternehmen von der Teilzeitausbildung?

Unternehmen, die in Teilzeit ausbilden, profitieren am häufigsten
von der Möglichkeit,

- Fachkräfte mit einer hohen Bindung an das Unternehmen selbst auszubilden.
- Auszubildende mit großem Verantwortungsbewusstsein und guter Organisationsfähigkeit im Team zu haben.
- motivierte Kräfte zu bekommen, die dem Arbeitsmarkt sonst nicht zur Verfügung stünden.
- Auszubildende einzusetzen, wo eine Vollzeitkraft nicht rentabel oder sinnvoll ist (es besteht die Möglichkeit, bei Teilzeitausbildung die Vergütung anteilig entsprechend der vereinbarten Stundenzahl festzusetzen).
- familienorientierte Personalpolitik zu betreiben.

Außerdem zeigen die Erfahrungen der letzten Jahre, dass Teilzeitauszubildende häufig sehr gute Noten in der Berufsschule erzielen (Quelle: Bundesagentur für Arbeit).

Für welche Unternehmen bietet sich Teilzeitausbildung an?

- Unternehmen mit Fachkräftebedarf aufgrund der Altersstruktur und der geringen Anzahl von Bewerbungen im betreffenden Berufsfeld
- Unternehmen, in denen eine Auszubildende schwanger geworden ist und die durch Teilzeitausbildung  im Betrieb gehalten werden kann
- Unternehmen, die Wert auf arbeitnehmerfreundliches Image legen
- Unternehmen, die ihre Fachkräfte selbst ausbilden, jedoch ein verringertes Auftragsvolumen haben
- Unternehmen, die tägliche Hauptstoßzeiten im Arbeitsanfall/ Arbeitsbelastungsspitzen haben
- Unternehmen, die reife Auszubildende mit hohem Verantwortungsgrad brauchen

Wer kann eine Teilzeitausbildung machen?

Bis Ende 2019 war im Berufsbildungsgesetz (BBiG) geregelt, dass eine Verkürzung der täglichen oder wöchentlichen Ausbildungszeit nur bei berechtigtem Interesse möglich ist. Ein berechtigtes Interesse war zum Beispiel gegeben, wenn Auszubildende ein eigenes Kind oder einen pflegebedürftigen Angehörigen zu betreuen haben oder vergleichbar schwerwiegende Gründe vorlagen. Das konnten gesundheitliche Einschränkungen oder Behinderungen, aber auch die Teilnahme am Leistungssport sein.

Das BBiG wurde zum 1. Januar 2020 geändert. Die Rahmenbedingungen für Teilzeitausbildung werden im Rahmen der Neuregelung des BBiG deutlich flexibilisiert. Der Adressat*innenkreis wird auf alle Auszubildenden erweitert. Im Gesetz gibt es keine Restriktionen in Bezug auf bestimmte Personengruppen mehr.

Neben Personen, die durch Kindererziehung oder Pflege von Angehörigen gebunden sind, können auf diese Weise jetzt beispielsweise auch Menschen mit Behinderungen, lernbeeinträchtigte Personen oder Geflüchtete von einer Teilzeitberufsausbildung profitieren.

Voraussetzung für die Teilzeitausbildung ist wie bisher, dass sich Ausbildende und Auszubildende einig sind.

Kann man auch innerhalb der Ausbildung auf die Teilzeitvariante wechseln?

Das ist möglich. Ebenso kann man, wenn die Gründe für Teilzeitausbildung entfallen, wieder zur Vollzeit zurückwechseln. Den entsprechenden Antrag stellen Arbeitgeber und Auszubildende(r) bei der Kammer, die den Ausbildungsvertrag einträgt.

Wie sieht der Stundenumfang bei Teilzeitausbildung aus?

Reduziert wird die Zeit, die im Betrieb gelernt und gearbeitet wird. Welcher Stundenumfang gewählt wird und wie die wöchentliche Arbeitszeitgestaltung im Einzelnen aussieht, ist von den individuellen Absprachen und Vereinbarungen zwischen dem Betrieb und den Auszubildenden abhängig.

Nach der neuen Gesetzeslage darf die Kürzung der Ausbildungszeit 50 Prozent nicht übersteigen.

Die Zeit, die in der Berufsschule verbracht wird, bleibt von der Teilzeitregelung unberührt, das heißt, der Besuch der Berufsschule entspricht dem einer Vollzeitausbildung.

Während das neue Gesetz regulär von einer Verlängerung der Ausbildungsdauer ausgeht, führte eine Teilzeitausbildung nach der alten Gesetzeslage nicht grundsätzlich zu einer Verlängerung der Gesamtausbildungsdauer. In der bisherigen Praxis der betrieblichen Ausbildung in Teilzeit (bis 2019) haben sich zwei Modelle herauskristallisiert. Im ersten Fall ist es zu einer geringeren Reduzierung der Wochenstundenzahl bei einer Beibehaltung der regulären Ausbildungsgesamtdauer gekommen. Zum Beispiel dauerte die Teilzeitausbildung bei einer wöchentlichen Arbeitszeit von 25 bis 30 Stunden einschließlich Berufsschulunterricht in der Regel drei Jahre. Im zweiten Fall ist es zu einer stärkeren Reduzierung der Wochenstundenzahl gekommen (20 bis 24 Stunden) und die Gesamtdauer der Ausbildung verlängerte sich um bis zu maximal einem Jahr.

Das erste Modell, also eine Reduktion der wöchentlichen Arbeitszeit bei Beibehaltung der regulären Ausbildungsdauer, ist vor allem für Auszubildende attraktiv, die durch Kindererziehung gebunden – und gleichzeitig aufgrund ihrer Lebenserfahrung gut organisiert und hoch motiviert – sind. Diese Personengruppe zählt bisher zur stärksten Gruppe derjenigen, die sich für eine Teilzeitausbildung entscheiden.

Die neue Fassung des BBiG sieht ausdrücklich vor, dass der Antrag auf Eintragung des Berufsausbildungsvertrages in das Verzeichnis der Berufsausbildungsverhältnisse für eine Teilzeitberufsausbildung mit einem Antrag auf Verkürzung der Ausbildungsdauer verbunden werden kann.

Wie wird die Arbeitszeit verteilt?

Die Arbeitszeit – wenn der Stundenumfang einmal festliegt – ist immer eine Sache der Einigung zwischen Betrieb und Auszubildender/m. Die betrieblichen Gegebenheiten spielen hier eine Rolle, ebenso wie die Betreuungszeiten, wenn eigene Kinder der Grund für die Teilzeitausbildung sind.

Zu beachten sind:
- von der wöchentlichen Arbeitszeit wird ein Teil der Stunden für den Berufsschulunterricht abgezogen. Auskunft über die Berechnung geben die Kammern. Die restliche Zeit wird auf die verbleibenden Tage verteilt, und zwar so, dass sich sinnvolle Einsatzzeiten ergeben.

- zu den wichtigen betrieblichen Lern-/ Arbeitszeiten sollte die oder der Teilzeitauszubildende anwesend sein, um das Ausbildungsziel auch sicher erreichen zu können.

- manche Berufsbilder sehen Arbeitszeiten außerhalb der üblichen Betreuungszeiten vor, beispielsweise der Verkauf am Samstag, die Pflege bei Nachtschichten oder das Bäckereihandwerk früh morgens. Hier sind flexible und tragfähige Lösungen gefragt. Gibt es Kolleg*innen, die hin und wieder die Randzeiten übernehmen? Gibt es Verwandte, Bekannte oder Tageseltern, die für die Betreuung von Kindern in Frage kommen? Gibt es eine Notzeitenbetreuung?

Welchen Urlaubsanspruch haben Teilzeitauszubildende?

Orientierung bieten die Regelungen bei Teilzeitarbeit:

  - findet die Ausbildung an gleich vielen Arbeitstagen statt wie die vergleichbare Vollzeitausbildung: der Urlaubsanspruch besteht zu gleich vielen Tagen wie in der Vollzeitausbildung.
- arbeitet die/ der Teilzeitauszubildende an weniger Tagen, verringert sich die Zahl der Urlaubstage entsprechend. Rechenbeispiel: Teilzeitausbildung  an 4 statt 5 betrieblichen Arbeitstagen, Urlaubstage = 30. Man rechnet: 30 : 5 x 4 =  24 Urlaubstage der Teilzeitausbildung.

Wie wird der Antrag auf Teilzeitausbildung gestellt?

Sind sich Auszubildende und Betrieb einig, so stellen sie einen gemeinsamen Antrag bei der Kammer („zuständige Stelle“). Oft gibt es auch Vordrucke für diesen Antrag. Die Kammer muss ihre Zustimmung zur Ausbildungsform in Teilzeit geben.

Wer informiert vor Ort über Teilzeitausbildung?

Das Netz an Informations- und  Beratungsstellen ist je nach Region unterschiedlich gut ausgebaut. In jedem Fall aber findet man kompetente Ansprechpartner_innen bei der Agentur für Arbeit und den Kammern, oft gibt es auch Teilzeitausbildungsprogramme, z.B. bei Trägern der (Jugend-)Berufshilfe. Regionale Ansprechpersonen sind auch auf dieser Homepage unter dem Menüpunkt "Infos zur TZA" und im Download-Bereich zu finden.

Was ist eine angemessene Vergütung?

Die Mindestvergütung einer Teilzeitausbildung ist seit dem 1. Januar 2020 im Zusammenhang mit der Mindestausbildungsvergütung im Berufsbildungsgesetz (BBiG) geregelt (§ 17). Die Ausbildungsvergütung kann entsprechend der prozentualen Kürzung der Arbeitszeit verringert werden.

Die Höhe der Ausbildungsvergütung für Teilzeitausbildungsverhältnisse war bis 2019 nämlich nicht einheitlich geregelt, sodass der Betrieb und die Auszubildenden dies individuell klären mussten. Die Empfehlung des Bundesinnenministeriums von Mai 2015 hat darauf hingewiesen, dass die tarifliche Ausbildungsvergütung in der Teilzeitausbildung im Hinblick auf die familienpolitischen Ziele der Bundesregierung in vollem Umfang bezahlt werden sollte. Es bleibt zu hoffen, dass sich auch ab 2020 – wie bisher – Unternehmen finden, die trotz Stundenreduktion die volle Vergütung zahlen.

 
 
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