Informationen für Unternehmen

Welche Vorteile hat das Unternehmen von der Teilzeitausbildung?

Unternehmen, die in Teilzeit ausbilden, profitieren am häufigsten
von der Möglichkeit,

- Fachkräfte mit einer hohen Bindung an das Unternehmen selbst auszubilden.
- Auszubildende mit großem Verantwortungsbewusstsein und guter Organisationsfähigkeit im Team zu haben.
- motivierte Kräfte zu bekommen, die dem Arbeitsmarkt sonst nicht zur Verfügung stünden.
- Auszubildende einzusetzen, wo eine Vollzeitkraft nicht rentabel oder sinnvoll ist (es besteht die Möglichkeit, bei Teilzeitausbildung die Vergütung anteilig entsprechend der vereinbarten Stundenzahl festzusetzen).
- familienorientierte Personalpolitik zu betreiben.

Außerdem zeigen die Erfahrungen der letzten Jahre, dass Teilzeitauszubildende häufig sehr gute Noten in der Berufsschule erzielen (Quelle: Bundesagentur für Arbeit).

Für welche Unternehmen bietet sich Teilzeitausbildung an?

- Unternehmen mit Fachkräftebedarf aufgrund der Altersstruktur und der geringen Anzahl von Bewerbungen im betreffenden Berufsfeld
- Unternehmen, in denen eine Auszubildende schwanger geworden ist und die durch Teilzeitausbildung  im Betrieb gehalten werden kann
- Unternehmen, die Wert auf arbeitnehmerfreundliches Image legen
- Unternehmen, die ihre Fachkräfte selbst ausbilden, jedoch ein verringertes Auftragsvolumen haben
- Unternehmen, die tägliche Hauptstoßzeiten im Arbeitsanfall/ Arbeitsbelastungsspitzen haben
- Unternehmen, die reife Auszubildende mit hohem Verantwortungsgrad brauchen

Wer kann eine Teilzeitausbildung machen?

Das Berufsbildungsgesetz (BBiG) sieht im § 8 vor, dass Auszubildende bei „berechtigtem Interesse“ die tägliche (oder wöchentliche) Arbeitszeit reduzieren können.


Berechtigtes Interesse liegt vor:
- wenn Auszubildende ein eigenes Kind/ eigene Kinder betreuen
- wenn Auszubildende pflegebedürftige Angehörige betreuen
- oder bei vergleichbar schwerwiegenden Gründen. Dies könnten z.B. gesundheitliche Beeinträchtigungen sein, die eine längere tägliche Arbeitszeit unmöglich machen.


In der Praxis muss zunächst der Betrieb einverstanden sein und eine Teilzeitausbildung in seine betrieblichen Abläufe integrieren können. Schließlich muss noch zu erwarten sein, dass das Ausbildungsziel auch in der verkürzten Zeit erreicht werden kann.

Kann man auch innerhalb der Ausbildung auf die Teilzeitvariante wechseln?

Das ist möglich. Ebenso kann man, wenn die Gründe für Teilzeitausbildung entfallen, wieder zur Vollzeit zurückwechseln. Den entsprechenden Antrag stellen Arbeitgeber und Auszubildende(r) bei der Kammer, die den Ausbildungsvertrag einträgt.

Wie sieht der Stundenumfang bei Teilzeitausbildung aus?

Es gibt grundsätzlich zwei im Umfang unterschiedliche Modelle:


Variante A mit geringer Reduzierung der Wochenstundenzahl, dafür gleicher Gesamtdauer der Ausbildung.
Variante B mit stärkerer Reduzierung der Wochenstundenzahl, dafür Verlängerung der Gesamtdauer der Ausbildung.

Ein Beispiel für Variante A: Die wöchentliche Arbeitszeit beträgt zwischen 25 und 30 Stunden einschließlich des Berufsschulunterrichts. Die Gesamtdauer der Ausbildung bleibt in der Regel unberührt. Eine beliebte Variante, die auch der Empfehlung des Hauptausschusses des Bundesinstituts für Berufsbildung von 2008 entspricht.

Ein Beispiel für Variante B: Die wöchentliche Arbeitszeit wird auf 20 bis 24 Stunden inklusive Berufsschulunterricht reduziert. Hierbei verlängert sich die gesamte Ausbildung um bis zu einem Jahr.

Anmerkung: es gibt weitere Einflussfaktoren auf die Dauer von Ausbildungen.  Erziehende sind in der Regel schon etwas älter als durchschnittliche Auszubildende, die direkt nach der Schule einsteigen. Mit Erreichen des 21. Lebensjahres bzw. mit höheren Schulabschlüssen lassen sich Verkürzungen der Gesamtausbildungszeit beantragen, weil zu erwarten ist, dass das Ausbildungsziel in dieser verkürzten Zeit erreicht wird.
Jeder Teilzeitausbildungsvertrag ist somit ein individueller Einzelfall. Wir empfehlen unbedingt, für eine endgültige Berechnung der gültigen Variante die Kammern zu kontaktieren!

Wie wird die Arbeitszeit verteilt?

Die Arbeitszeit – wenn der Stundenumfang einmal festliegt – ist immer eine Sache der Einigung zwischen Betrieb und Auszubildender/m. Die betrieblichen Gegebenheiten spielen hier eine Rolle, ebenso wie die Betreuungszeiten, wenn eigene Kinder der Grund für die Teilzeitausbildung sind.

Zu beachten sind:
- von der wöchentlichen Arbeitszeit wird ein Teil der Stunden für den Berufsschulunterricht abgezogen. Auskunft über die Berechnung geben die Kammern. Die restliche Zeit wird auf die verbleibenden Tage verteilt, und zwar so, dass sich sinnvolle Einsatzzeiten ergeben.

- zu den wichtigen betrieblichen Lern-/ Arbeitszeiten sollte die oder der Teilzeitauszubildende anwesend sein, um das Ausbildungsziel auch sicher erreichen zu können.
- manche Berufsbilder sehen Arbeitszeiten außerhalb der üblichen Betreuungszeiten vor, beispielsweise der Verkauf am Samstag, die Pflege bei Nachtschichten oder das Bäckereihandwerk früh morgens. Hier sind flexible und tragfähige Lösungen gefragt. Gibt es Kolleg_innen, die hin und wieder die Randzeiten übernehmen? Gibt es Verwandte, Bekannte oder Tageseltern, die für die Betreuung von Kindern in Frage kommen? Gibt es eine Notzeitenbetreuung?

Welchen Urlaubsanspruch haben Teilzeitauszubildende?

Orientierung bieten die Regelungen bei Teilzeitarbeit:

  - findet die Ausbildung an gleich vielen Arbeitstagen statt wie die vergleichbare Vollzeitausbildung: der Urlaubsanspruch besteht zu gleich vielen Tagen wie in der Vollzeitausbildung.
- arbeitet die/ der Teilzeitauszubildende an weniger Tagen, verringert sich die Zahl der Urlaubstage entsprechend. Rechenbeispiel: Teilzeitausbildung  an 4 statt 5 betrieblichen Arbeitstagen, Urlaubstage = 30. Man rechnet: 30 : 5 x 4 =  24 Urlaubstage der Teilzeitausbildung.

Wie wird der Antrag auf Teilzeitausbildung gestellt?

Sind sich Auszubildende und Betrieb einig, so stellen sie einen gemeinsamen Antrag bei der Kammer („zuständige Stelle“). Oft gibt es auch Vordrucke für diesen Antrag. Wichtig ist, dass der Grund für die Teilzeit angegeben und nachweisbar ist. Die Kammer muss ihre Zustimmung zur Ausbildungsform in Teilzeit geben.

Wer informiert vor Ort über Teilzeitausbildung?

Das Netz an Informations- und  Beratungsstellen ist je nach Region unterschiedlich gut ausgebaut. In jedem Fall aber findet man kompetente Ansprechpartner_innen bei der Agentur für Arbeit und den Kammern, oft gibt es auch Teilzeitausbildungsprogramme, z.B. bei Trägern der (Jugend-)Berufshilfe. Regionale Ansprechpersonen sind auch auf dieser Homepage unter dem Menüpunkt "Infos zur TZA" und im Download-Bereich zu finden.

Was ist eine angemessene Vergütung?

Der Gesetzgeber schreibt hierzu nichts Eindeutiges vor. Die Empfehlung des Bundesinnenministeriums von Mai 2015 weist jedoch darauf hin, dass die tarifliche Ausbildungsvergütung in der Teilzeitausbildung im Hinblick auf die familienpolitischen Ziele der Bundesregierung in vollem Umfang bezahlt werden sollte. In der Praxis wird bisher überwiegenddie tarifliche Vergütung anteilig entsprechend der reduzierten wöchentlichen Ausbildungszeit bezahlt.

 
 
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