Informationen für Interessierte an einer Teilzeitausbildung

Wer kann eine Teilzeitausbildung machen?

Das Berufsbildungsgesetz (BBiG) sieht im § 8 vor, dass Auszubildende bei „berechtigtem Interesse“ die tägliche (oder wöchentliche) Arbeitszeit reduzieren können.

Ein berechtigtes Interesse liegt vor:
- wenn Auszubildende ein eigenes Kind/ eigene Kinder betreuen
- wenn Auszubildende pflegebedürftige Angehörige betreuen
- oder bei vergleichbar schwerwiegenden Gründen. Dies könnten z. B gesundheitliche Beeinträchtigungen sein, die eine längere tägliche Arbeitszeit unmöglich machen.


In der Praxis muss zunächst der Betrieb einverstanden sein und eine Teilzeitausbildung in seine betrieblichen Abläufe integrieren können. Schließlich muss noch zu erwarten sein, dass das Ausbildungsziel auch in der verkürzten Zeit erreicht werden kann. Bei schulischen Ausbildungen gilt: die jeweilige Schule muss Teilzeitausbildungen anbieten.

Wie sieht der Stundenumfang bei Teilzeitausbildung aus?

Es gibt grundsätzlich zwei im Umfang unterschiedliche Modelle:

Variante A mit geringer Reduzierung der Wochenstundenzahl, dafür gleicher Gesamtdauer der Ausbildung.

Variante B mit stärkerer Reduzierung der Wochenstundenzahl, dafür Verlängerung der Gesamtdauer der Ausbildung.

Ein Beispiel für Variante A:  Die wöchentliche Arbeitszeit beträgt zwischen 25 und 30 Stunden einschließlich des Berufsschulunterrichts. Die Gesamtdauer der Ausbildung bleibt in der Regel unberührt.  Eine beliebte Variante, die auch der Empfehlung des Hauptausschusses des Bundesinstituts für Berufsbildung von 2008 entspricht.

Ein Beispiel für Variante B:  Die wöchentliche Arbeitszeit wird auf 20 bis  24 Stunden inklusive Berufsschulunterricht reduziert. Hierbei verlängert sich die gesamte Ausbildung um bis zu einem Jahr.

Anmerkung: es gibt weitere Einflussfaktoren auf die Dauer von Ausbildungen.  Erziehende sind in der Regel schon etwas älter als durchschnittliche Auszubildende, die direkt nach der Schule einsteigen. Mit Erreichen des 21. Lebensjahres bzw. mit höheren Schulabschlüssen lassen sich Verkürzungen der Gesamtausbildungszeit beantragen, weil zu erwarten ist, dass das Ausbildungsziel in dieser verkürzten Zeit erreicht wird.
Jeder Teilzeitausbildungsvertrag ist somit ein individueller Einzelfall. Wir empfehlen unbedingt, für eine endgültige Berechnung der gültigen Variante die Kammern zu kontaktieren!

Wie wird die Arbeitszeit verteilt?

Die Arbeitszeit – wenn der Stundenumfang einmal festliegt – ist immer eine Sache der Einigung zwischen Betrieb und Auszubildenden.  Die betrieblichen Gegebenheiten spielen hier eine Rolle, ebenso wie die Betreuungszeiten, wenn eigene Kinder der Grund für die Teilzeitausbildung sind. Zu beachten sind:

  • von der wöchentlichen Arbeitszeit wird ein Teil der Stunden für den Berufsschulunterricht abgezogen. Auskunft über die Berechnung geben die Kammern. Die restliche Zeit wird auf die verbleibenden Tage verteilt, und zwar so, dass sich sinnvolle Einsatzzeiten ergeben
  • zu den wichtigen betrieblichen Lern-/Arbeitszeiten sollte die oder der Teilzeitauszubildende anwesend sein, um das Ausbildungsziel auch sicher erreichen zu können
  • manche Berufsbilder sehen Arbeitszeiten außerhalb der üblichen Betreuungszeiten vor, beispielsweise der Verkauf am Samstag, die Pflege bei Nachtschichten oder das Bäckereihandwerk früh morgens. Hier sind flexible, aber tragfähige Lösungen gefragt. Gibt es Kolleg_innen, die hin und wieder die Randzeiten übernehmen? Gibt es Verwandte, Bekannte oder Tageseltern, die für die Betreuung von Kindern in Frage kommen? Gibt es eine Notzeitenbetreuung?  

Welchen Urlaubsanspruch haben Teilzeitauszubildende?

Orientierung bieten die Regelungen bei Teilzeitarbeit:

  • findet die Ausbildung an gleich vielen Arbeitstagen statt wie die vergleichbare Vollzeitausbildung: der Urlaubsanspruch besteht zu gleich vielen Tagen wie in der Vollzeitausbildung
  • arbeitet die/der Teilzeitauszubildende an weniger Tagen, verringert sich die Zahl der Urlaubstage entsprechend. Rechenbeispiel: Teilzeitausbildung  an 4 statt 5 betrieblichen Arbeitstagen, Urlaubstage = 30. Man rechnet: 30 : 5 x 4 =  24 Urlaubstage der Teilzeitausbildung 

Kann man auch innerhalb einer Ausbildung auf die Teilzeitvariante wechseln?

Das ist möglich. Ebenso kann man, wenn die Gründe für Teilzeitausbildung entfallen, wieder zur Vollzeit zurück wechseln. Der entsprechende Antrag wird immer zusammen mit dem Arbeitgeber bei der Kammer gestellt, die den Ausbildungsvertrag einträgt.

Welche finanziellen Leistungen gibt es?

Eine Teilzeitausbildung führt, wenn nicht familiär ein guter finanzieller Rückhalt vorhanden ist, zu einer Vielfalt an Finanzierungsquellen. Bestimmte Leistungen sind vorrangig vor anderen und die Voraussetzungen dafür sehr unterschiedlich. Es ist ratsam, zügig und mit großer Sorgfalt alle in Frage kommenden Anträge zu stellen – beginnend mit dem auf Berufsausbildungsbeihilfe (BAB). Welche Leistungen sich im Einzelfall gegenseitig ausschließen, erläutert die zuständige Stelle.

Mögliche Leistungsangebote:

Wenn ein Ausbildungsplatz in Aussicht steht oder aufgenommen wird, gibt es Förderung aus dem Vermittlungsbudget der Agentur für Arbeit. Diese Förderung bedeutet die Übernahme von Bewerbungskosten bzw. Kosten, die der Arbeitgeber nicht übernimmt.

Auszubildende, die im eigenen Haushalt leben, haben Anspruch auf Berufsausbildungsbeihilfe (BAB). Der Antrag auf BAB wird bei der Agentur für Arbeit gestellt. Angerechnet werden das eigene Einkommen, das Jahreseinkommen der Eltern und der/s Ehepartner_in oder Lebenspartner_in, falls diese über einem bestimmten Freibetrag liegen. Die Höhe des BAB richtet sich nach den Aufwendungen wie Mietkosten und Fahrtkosten. Der Bewilligungsbescheid für BAB ist die Grundlage für die Beantragung weiterer Leistungen, daher sollte man sich sofort bei Vorliegen des Ausbildungsvertrages darum kümmern. Um sich darauf vorzubereiten, kann man den BAB-Rechner im Internet ausfüllen.

Wohnt der oder die Teilzeitauszubildende noch im Haushalt der Eltern, so besteht ein Anspruch auf AlG II. Dafür ist die Fördervoraussetzung für BAB nicht gegeben.

Mehrbedarf für Alleinerziehende kann von alleinerziehenden Auszubildenden zusätzlich beantragt werden. Dabei spielt es keine Rolle, dass das Elternteil kein AlG II bezieht.

Zuschuss zu ungedeckten Kosten für Unterkunft und Heizung: zusätzlich zum BAB besteht die Möglichkeit, diesen Zuschuss zu beantragen, wenn die tatsächlichen Kosten nicht durch die erstatteten abgedeckt werden. Allerdings müssen die Kosten der Unterkunft auch angemessen sein. Richtwerte geben die Jobcenter des jeweiligen Wohnortes.

Darlehen bei Härtefällen: gilt die Situation bei Antragstellung als besonderer Härtefall, kann AlG II als Darlehen gewährt werden. Kommt die/der Auszubildende etwa aus dem Leistungsbezug, entsteht bei Ausbildungsaufnahme bereits eine Finanzierungslücke. Die Leistungen wurden bisher zu Beginn jeden Monats ausgezahlt, die Ausbildungsvergütung ab dann aber zum Ende des Monats. Diese Lücke ist schwer zu überbrücken.

Ausbildungsbegleitende Hilfen (abH): Unterstützung für Auszubildende durch Unterricht in Theorie und Praxis sowie sozialpädagogische Begleitung bei einem Bildungsträger. Vermittlung durch die Berufsberatung der Agentur für Arbeit.

Anspruch auf Kindergeld haben die Eltern des Kindes. Kindergeld wird bis zum 25. Lebensjahr gezahlt, wenn das Kind noch in Ausbildung ist. Überlassen die Eltern das Kindergeld der/dem Teilzeitauszubildenden, bleibt es bei der BAB-Berechnung unberücksichtigt. So können die jungen Eltern über das eigene und das Kindergeld für ihr Kind verfügen. Kindergeld bekommt man von der zuständigen Familienkasse, die auch im Einzelfall den Anspruch prüft.

Innerhalb bestimmter Einkommensgrenzen steht den erziehenden Auszubildenden auch ein Kinderzuschlag von der Familienkasse zu. Dies erfordert aber eine Einzelprüfung, eine Reihe weiterer Kriterien muss erfüllt sein.

Elterngeld wird während einer Ausbildung innerhalb der ersten Lebensmonate eines Kindes in Höhe von 300,- € monatlich gezahlt. Wenn die Eltern ihre Ausbildung für ihr Kind sogar unterbrechen, ersetzt das Elterngeld ca. 67% der wegfallenden Ausbildungsvergütung. Durch das in 2015 neue Elterngeld plus gibt es zwar zusätzliche Bonus- (und Partnerschafts-) Monate, dabei muss aber auch Teilzeit gearbeitet werden. Informationen geben die zuständigen Sozial-, Versorgungs- oder Jugendämter, je nach Bundesland.

Sind bei anderen Leistungen Kosten der Unterkunft berücksichtigt sind, so besteht keine Anspruch auf Wohngeld. Teilzeitauszubildende, die mit Kindern im eigenen Haushalt wohnen, sollten allerdings– besonders wenn sie alleinerziehend sind - den Antrag auf Wohngeld stellen. Bei ihnen sind am ehesten die Bedingungen für Wohngeldberechtigung erfüllt. Die Leistung kann als Zuschuss zu Wohnkosten gewährt werden und richtet sich nach dem Einkommen, den Wohnkosten selbst und der Haushaltsgröße.

Unterhaltsvorschuss: Kinder, die bei einem alleinerziehenden Elternteil leben, haben ein Recht auf Unterhaltszahlungen vom anderen Elternteil. Bekommen sie von diesem keinen oder unregelmäßigen Unterhalt (und verdient der/die Alleinerziehende nicht zu viel), besteht ein Anspruch auf Unterhaltsvorschuss. Zu beantragen ist er beim Jugendamt. Unterhaltsvorschuss wird maximal bis zum 12. Lebensjahr gewährt. Es gilt aber auch, dass er auch nur für maximal 72 Monate = 6 Jahre Zeitdauer gewährt wird. Somit ist zu allen Zeiten, an denen der Kindsvater (/die Kindsmutter) Unterhalt zahlen kann, diesem der Vorzug zu geben. Ansonsten ist mit dem Erreichen des 6. Lebensjahres des Kindes bereits der komplette Satz an Unterhaltsvorschuss aufgebraucht, für das Kind steigen aber mit dem Beginn des Schulalters die Kosten.

Welche praktischen Unterstützungsmöglichkeiten haben Teilzeitauszubildende?

Hier ist zunächst an die Betreuung des Kindes/ der Kinder zu denken. Das Jugendamt gibt Auskunft, welche Tageseltern in der Region sind. Es kann bei einer Ausbildung auch die Kosten der Betreuung übernehmen. Unbedingt sollte man die Bedingungen vorher erfragen.

Gibt es am Wohnort Netzwerke oder Beratungsstellen für Alleinerziehende? Dann sind sie im Internet zu finden. Es lohnt sich auch, nach Teilzeitausbildungs- oder Umschulungsprojekten zu suchen. Unter dem Suchbegriff  „Teilzeitausbildung“ oder „Teilzeitausbildung + Wohnort“ stehen die nächstgelegenen Angebote. Kontaktadressen gibt es auch auf dieser Homepage unter "Regionale Ansprechpersonen" oder im Download-Bereich.

Steht eine Prüfung an? Teilzeitauszubildende mit familiärer Verpflichtung haben oft wenig Zeit zum Lernen. Gezielte Prüfungsvorbereitung des wirklich wichtigen Stoffes bieten die Kammern an, allerdings sind dies kostenpflichtige Kurse, die man langfristig einplanen sollte. Gibt es vorher Probleme mit dem Schulstoff, kann man mit den Ansprechpartner_innen der Agentur für Arbeit über ausbildungsbegleitende Hilfen (abH) sprechen. Das Programm enthält neben Unterricht und Vorbereitung auf Klassenarbeiten/ Prüfungen auch Unterstützung bei Alltagsproblemen. Das Angebot ist für Auszubildende kostenfrei.

Eine sehr gute Checkliste für alle Formalien bei Aufnahme einer Teilzeitausbildung ist in der Broschüre „Ausbildung in Teilzeit – Finanzierungsmöglichkeiten des Lebensunterhaltes im Überblick“ (Bundesministerium für Bildung und Forschung) zu finden. Vom Ausbildungsvertrag bis zu ermäßigten Nahverkehrstarifen in der Ausbildung ist hier alles Wichtige zusammengestellt. Die Broschüre ist online einsehbar oder kostenlos erhältlich beim Bundesinstitut für Bildung und Forschung.

Wie wird der Antrag auf Teilzeitausbildung gestellt?

Sind sich Auszubildende und Betrieb einig, so stellen sie einen gemeinsamen Antrag bei der Kammer („zuständige Stelle“). Oft gibt es auch Vordrucke für diesen Antrag. Wichtig ist, dass der Grund für die Teilzeit angegeben und nachweisbar ist. Die Kammer muss ihre Zustimmung zur Ausbildungsform in Teilzeit geben.

Wer informiert vor Ort über Teilzeitausbildung?

Das Netz an Informations- und  Beratungsstellen ist je nach Region unterschiedlich gut ausgebaut. In jedem Fall aber findet man kompetente Ansprechpartner_innen bei der Agentur für Arbeit und den Kammern. Hier lohnt es sich, gezielt nach den Beauftragten für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt oder nach den Servicestellen für Alleinerziehende zu fragen. In einigen Städten oder Regionen gibt es auch Teilzeitausbildungsprogramme, z. B. bei Trägern der (Jugend-)Berufshilfe. Regionale Ansprechpersonen zur Teilzeitausbildung sind auch auf dieser Homepage unter dem Menüpunkt "Infos zur TZA" und im Download-Bereich zu finden.

Was ist eine angemessene Vergütung?

Der Gesetzgeber schreibt hierzu nichts Eindeutiges vor. Die Empfehlung des Bundesinnenministeriums von Mai 2015 weist jedoch darauf hin, dass die tarifliche Ausbildungsvergütung in der Teilzeitausbildung im Hinblick auf die familienpolitischen Ziele der Bundesregierung in vollem Umfang bezahlt werden sollte. In der Praxis wird oftmals die tarifliche Vergütung anteilig entsprechend der reduzierten wöchentlichen Ausbildungszeit bezahlt.

Welche Vorteile hat das Unternehmen von der Teilzeitausbildung?

Unternehmen, die in Teilzeit ausbilden, profitieren am häufigsten
von der Möglichkeit,

- Fachkräfte mit einer hohen Bindung an das  Unternehmen selbst auszubilden.
- Auszubildende mit großem Verantwortungsbewusstsein und guter Organisationsfähigkeit im Team zu haben.
- motivierte Kräfte zu bekommen, die dem Arbeitsmarkt sonst nicht zur Verfügung stünden.
- Auszubildende einzusetzen, wo eine Vollzeitkraft nicht rentabel oder sinnvoll ist (es besteht die Möglichkeit, bei Teilzeitausbildung die Vergütung anteilig entsprechend der vereinbarten Stundenzahl festzusetzen)
- familienorientierte Personalpolitik zu betreiben.

Außerdem zeigen die Erfahrungen der letzten Jahre, dass Teilzeitauszubildende häufig sehr gute Noten in der Berufsschule erzielen (Quelle: Bundesagentur für Arbeit).

 
 
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